Montag, 2. Juni 2014

Japan-Sew-Along: Und nach dem Probemodell?

Auf das Probemodell, das ich Euch in der vergangenen Woche präsentieren konnte, sollte doch eigentlich ohne Umwege die "richtige", die "eigentliche" Version folgen. Aber, und auch dies hatte ich im Post des letzten Treffens schon angekündigt, die Näh-Zeit für Japanisches war knapp bemessen, so dass ich mich auf das Abstecken, Abmessen, Abwägen am Probekleid beschränken musste.

Einige von Euch sind mittlerweile beim dritten, oder gar vierten Nähprojekt im Rahmen dieses Sew-Alongs angelangt, was mich gleichermaßen beeindruckt wie überwältigt: Euer Feedback und Euer Elan sind umwerfend, und damit möchte ich unbedingt auch diejenigen ansprechen, die noch gar nicht genäht haben, sondern die sich noch mit mutigen Schritten in ihre ersten japanischen Nähprojekte einlesen! Und wenn der ein oder anderen der Zeitplan allzu großzügig erscheinen mag und sie Woche für Woche nicht Erfahrungen anbringen kann, wie sie in den jeweiligen Fragen angesprochen werden - sondern gar Woche für Woche ein neues, fertiges Kleidungsstück zeigt: So sind doch gerade diese unterschiedlichen Geschwindigkeiten gewinnbringend und herzlich Willkommen!

Ebenso gewinnbringend waren Eure Kommentare zu meinem Teststück, und ich möchte also versuchen, mich an den heutigen Fragen entlang zu hangeln und die Schnitt-Änderungen zu zeigen, die ich mit Maßband und Stecknadeln versucht habe:

Habt Ihr schon losgelegt?
Wie sind Eure ersten Erfahrungen mit den Schnitten und der Passform?
Meine ersten Erfahrungen mit dem gewählten Neckholder-Schnitt wären positiv gewesen, doch schon mit Euren ersten Kommentaren kamen berechtigte Zweifel, die mich anregten, mir die Fotos genauer anzusehen: Denn was mir selbst beim Tragen und auch beim Blick in den Spiegel kaum auffiel, erwies sich auf den Fotos doch als störend - der leicht aufklaffende Ausschnitt mit dem etwas Zuviel an Stoff.


Ich würde vermuten, dass das Problem gerade in dem Umstand gründet, der das Buch Kleider im japanischen Stil so reizvoll und besonders macht: Darin nämlich, dass die Schnitte, bemaßten Schemazeichnungen folgend, konstruiert werden - was eben auch heißt, dass sie in der Linienführung auf extreme Geradlinigkeit setzen. Dass Schnittteil für den Neckholder sieht aus wie ein - gewissermaßen - gekapptes rechtwinkliges Dreieck, dessen eine Seite eingekräuselt und in den Taillenbund eingesetzt wird. Die Spitze des Dreiecks enspricht dabei der vorderen Mitte, der viele Stoff stammt also von der etwas zu langen Seite, die von oben herunterführt. - Ist das anschaulich?
Ich zeige Euch Bilder, denn was ich versucht habe, ist Folgendes:


Ich habe den Stoff nach unten gezogen, in den Taillenbund hinein, so dass das Neckholder-Teil glatt und gerade vom Hals herunterfallen kann.
Von oben sieht das dann so aus:
Gemessen habe ich dann zum einen das Stück, um das das Schnittteil an seiner längsten Seite verkürzt werden muss - das hineingeschobene Maßband zeigt 2cm, also wären es ingesamt 4cm:
Und zum anderen die Breite, über die Stoff abgenommen wird:

Von der vorderen Mitte wären das 5cm nach rechts wie nach links.
Per Dreisatz ließ sich ermitteln, dass diese 5cm fertiger Breite ca. 8 cm einzukräuselnder Breite betragen. Am Schnittmuster sähen die Änderungen also nun so aus:


Die Dreiecksspitze wird abgerundet, so dass nach oben die 4cm abgenommen werden, und dies in der Breite auf 8cm verteilt wird. Die rot nachgezogene gebogene Linie entspräche der neuen Schnittlinie.

Nun bitte ich Euch um Eure Hilfe: Ist das nachvollziehbar - wäre eine Anpassung in dieser Form plausibel? Oder liegt irgendwo ein Denkfehler? Wieder freue ich mich auf Eure Kommentare! Tatsächlich möchte ich vor dem Zuschneiden Eure Meinungen abwarten!

Diskutiert wurde in den Kommentaren auch die Frage, ob dieses Kleid überhaupt ein Darunter braucht - es gab die Vermutung, dass es sich nach einer solchen Anpassung evtl. auch ohne das Neckholder-Shirt darunter tragen ließe. Meine Antwort ist weiterhin: Nein. Zwar ist die Passform des so abgesteckten Oberteils um einiges verbessert, doch braucht es schlichtweg auch ein wenig "Luft", weil es sich um ein Webware-Stück handelt.

Das Jersey-Top und die Jersey-Jacke sind rasch genäht - das Kleid freut sich über Sorgfalt und Fleiß beim Stecken und Heften; dennoch hoffe ich, Euch beim nächsten Treffen das fertige Ensemble zeigen zu können! Um dann nach einem gelungenen Zwischenfazit mit weiteren Modellen starten zu können.

Wegen des Feiertags sehen wir uns also hier wieder am Dienstag, den 10. Juni - mit vielen Fragen:
 
Zwischenstand I: Ist schon ein Modell fertig, plant Ihr ein weiteres?
Hängt Ihr bei Eurem Modell und braucht Ratschlag und Hilfe?
Ist euer Modell tragbar? Müsst Ihr etwas ändern?
Nach der Anprobe vor dem Spiegel: Fühlt Ihr Euch wohl darin?
Entspricht es Euren Erwartungen?
Seid Ihr mit Eurer Stoff- und Größenwahl zufrieden? Wie möchtet Ihr es kombinieren? Möchtet Ihr noch ein Kombi-Teil dazu nähen (Jacke, Hose…)?

Catrin | :: stoffbüro ::

Und nun seid Ihr an der Reihe!

Kommentare:

  1. Ich bewundere Dein Kleid ja sehr....aber ich bin immer noch sehr gespannt, wie es zum Schluß aussehen wird! :-) Vielleicht traue ich mich dann mal an eine Jerseyvariante davon!
    Liebe Grüsse
    Lina

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  2. Hallo Catrin, ich wäre erstmal grundsätzlich genauso herangegangen wie Du, einfach abstecken, wie ich denke, das es besser sitzt. Danach hätte ich wahrscheinlich einfach den überstehenden Stoff weggeschnitten und neu versäubert. Ich bin da sehr einfach und pragmatisch ;-).

    Die untere Kante mehr einzukräuseln finde ich allerdings sinnvoll, man muss sehen, ob das dann nicht zuviel Stoff ist oder ob man die Schrägseite des Neckholders evtl. einfach in einem kleineren Winkel versetzt. Ich vermute mal, das Problem wäre dann einfacher gelöst.

    Ich verstehe nicht, wie aus Deinen in der Länge weggenommenen 2 cm das Doppelte von 4 cm wird... Da hab ich vielleicht noch einen Knoten im Kopf. Ich werde bei meinem Teil Deine Anregungen mitnehmen, aber vermutlich die Schräge ändern.

    LG Anke

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    1. Liebe Anke,

      und wieder: danke für Deine Hinweise und Kommentare!

      Die 4cm erdenke ich mir so: Ich schiebe das Maßband hinein, und lese 2cm ab. Diese 2cm werden ja aber 2x weggenommen, weil der Stoff dort nun doppelt liegt - also in den zwei Lagen, zwischen die ich das Maßband schiebe. Oder unterliege ich hier einem Denkfehler?

      Liebe Grüße
      Catrin

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  3. Hm, vom Taillenband hast Du doch aber beim Stecken nichts weggenommen, oder? Ich würde dann nur die 2 cm nehmen. LG Anke

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    1. Nein, vom Taillenband habe ich nichts weggenommen - aber doch eben insgesamt 4cm vom Träger. Oder?

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    2. Ah, jetzt verstehe ich. Aber da du das Schnitteil doppelt nimmst (im Stoffbruch), sind es zwar insgesamt 4 cm, aber auf jeder Seite nur 2. Naja, ich will mich mal nicht zu weit aus dem Fenster hängen, du hast das Teil vor Dir, ich hab da manchmal Schwierigkeiten, umzudenken.

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    3. Liebe Anke,

      der Stoffbruch befindet sich ja oben, am Hals, in der rückw. Mitte - m.E. müsste ich tatsächlich auf jeder Seite der vM 4cm herausnehmen. Vielleicht mit dem Hinweis, dass der Träger beim Probemodell ja schon komplett eingesetzt ist, also zwischen die beiden Taillenbänder gefasst? Ich habe nichts aufgetrennt, sondern den Neckholder hier statt zwischen die Taillenbänder einfach dahinter geschoben. Also gehen die 2cm einmal nach unten, und dann noch einmal nach oben. Macht 4?

      Liebe Grüße
      Catrin

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    4. Jetzt hab ich es verstanden - und dann hast Du natürlich Recht. Ich dachte, Du hättest es einfach nur reingeschoben.

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  4. Puh- ihr habt ja schwierige Denkaufgaben hier am Montag Morgen!! Da schaltet mein Hirn aus, ich muss sowas vor mir liegen haben. Von mir also leider keine Hilfe!
    Ich bin aber überzeugt, dass du das hin bekommen wirst!
    Liebe Grüße, ich freue mich schon auf die nächste Woche!
    BuxSen

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  5. Ah, jetzt versteh ich, wie du auf 4cm kommst. Das hat mich auch ein wenig irritiert. Wirst du die Rundung ein wenig raffen? Denn die Rundungsstrecke- wenn du weißt, was ich meine - scheint mir mehr als 8 cm zu sein Die sollte aber genau 8 sein, sonst lappen die Teile ja übereinander.
    Ich bin gespannt, wie das Kleid dann ausschaut. Ich hab ja leider keine gute Erfahrung mit Selbstkonstruieren gemacht.

    Lg
    Lucy.

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    1. Liebe Lucy,

      es wird ja die komplette Unterkante eingekräuselt, also auch das gebogene Stück. Die 8cm beziehen sich per Dreisatz auf die Länge der ursprünglichen Kante, deshalb habe ich sie auch von der ursprünglichen Kante abgezogen. Entscheidend für die Passform scheint mir aber auch weniger die Länge des einzukräuselnden Stückes zu sein, sondern vielmehr das etwas zu lange Stück der Kante, die vom Hals zum Taillenbund führt. Und eben dort wird etwas herausgenommen (4cm).

      Ganz sicher bin ich mir nicht - am Ende wird es sich ohnehin erst beim Nähen und Anprobieren herausstellen können.

      Liebe Grüße
      Catrin

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    2. aja, dann ist alles klar. Spannend, dein Kleid ;)
      lg
      lucy

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  6. Liebe Catrin! Das sind ja spannende Diskussionen. ;-) Ich befürchte, ich kann sowas nur beurteilen, wenn ich die Schnittteile angreifen kann, wenn ich das alles in die Hand nehmen kann und vor mir liegen habe... Ehrlich gesagt gehe ich bei solchen Änderungen auch oft "nach Gefühl" vor.... Aber zum Glück kannst Du alles am Probekleid ausprobieren! Und ich sehe Dein wunderbares braun-gelbes Kleid schon vor mir!
    Liebe Grüße, Steffi

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  7. Liebe Catrin,
    ich kann Dir leider so gar keine Tipps geben. Ich kann besser denken, wenn ich das Stück in Händen halte ;-) Bin aber schon sehr gespannt auf die neue Version.
    LG Griselda K

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  8. Es hat etwas länger gedauert, bis mir das mit den 4 cm klar war - aber ich glaube, Du hast recht. Nähst und kräuselst Du das nochmal am Probemodell, um ganz sicher zu sein oder setzt Du's gleich um? - Ich bin jedenfalls gespannt, ob die Änderung dann so funktioniert hat wie gewünscht.

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    1. Ich hab's gerade genäht. Und bin zufrieden :-). Fotos gibt's dann in der kommenden Woche.

      Liebe Grüße
      Catrin

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    2. Ich sitze gerade und hab auch nochmal gegrübelt. Ich wollte es erst anders konstruieren und zwar die von dir weggenommenen 4 cm von der langen Schränge nach unten wegnehmen und die 5 cm dafür an die andere Kante dazugeben, so dass diese statt gerade auch schräg wird. Vielleicht kann ich Montag schon die ersten Ergebnisse zeigen. Vielen Dank schon mal für Deine Vorarbeit ;-) LG Anke
      Denke aber, dass Deine Konstruktion die plausiblere ist. Werde jetzt mal beide ausprobieren mit Stoffresten und sehen, was mir besser gefällt.

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    3. Liebe Anke,

      ich habe es nun genau so genäht, wie angezeichnet - nämlich mit der Rundung und den angegebenen Maßen. (D.h. 4cm abgenommen an der Seite, die schräg von oben zur vM führt.)

      Für mich sitzt es nun wunderbar - das Zuviel an Stoff in der vM ist weg, und die Bewegungsfreiheit bleibt die gleiche. "Allerdings" lässt es sich m.E. auch so nicht ohne Top tragen, die Webware lässt sich einfach nicht so exakt anpassen, ohne an Bequemlichkeit einzubüßen; das "Allerdings" zwischen Anführungsstrichen gesetzt, denn ich mag gerade den Look mit Top darunter, auch in der Rückenansicht.

      Es reicht wohl, nur das Oberteil mit einem Taillenstreifen zu nähen, um die Passform zu erkennen - ich bin also gespannt, ob Du nächste Woche schon Deine Experimente vorstellen kannst!

      Liebe Grüße!
      Catrin

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    4. Ich bin gerade fertig geworden und habe sofort Deine geänderte Variante ausprobiert. Auch mir passt das hervorragend so und ich trag es ohne etwas drunter ;-). Ich hatte dafür Schwierigkeiten mit der Breite des Taillenbundes, dazu aber nächste Woche mehr.

      Grüße Anke

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  9. Ich glaube, ich hab´s verstanden :-)
    Ich bin ja selten der Rechner, ich stecke am Körper ab, was nicht passt - und gut.
    Aber Du mach das mal richtig, so haben alles was davon :-)
    Was meinst Du, könnte das Kleid auch aus Jersey funktionieren?
    LG Judy

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    1. Liebe Judy,

      dieses "Pi mal Daumen" - das wäre nicht so meine Sache ;-)

      Die Fotos sind fertig, am Dienstag zeige ich Euch das Kleid! Und ja, ich denke, es kann auch aus Jersey funktionieren - ich würde einen schönen Viscose-Jerseys nehmen. Allerdings müsste man dann an die Größe und Passform nochmal ganz anders herangehen, und ein Probeteil wäre unumgänglich. Ich fände es sehr reizvoll, mache mich aber nun an ein neues Projekt - und überlasse das lieber anderen :-)

      Liebe Grüße
      Catrin

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    2. Danke!
      Ich bin eigentlich fertig (zwei Wickelblusen und eine Hose), aber ich klick mich immer noch durch die Liste, vielleicht ergibt sich noch was, was ich unbedingt auch machen will :-)
      LG Judy

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