Dienstag, 6. Mai 2014

Japan-Sew-Along: Buchvorstellung I, Yoshiko Tsukiori



Über Euer sehr postives Feedback zur gestrigen Präsentation desSew-Along habe ich mich sehr gefreut - und freue mich ebenso, Euch nun zur ersten Buchvorstellung wieder zu sehen!

Beim Planen dieser Beitragsreihe, bei der Durchsicht meiner japanischen Näh-Bücher und nicht zuletzt mit der Notwendigkeit einer gewissen Strukturiertheit fielen mir manche Dinge und Aspekte auf, die ich den ersten beiden Buchvorstellungen vorausschicken möchte.

Zum ersten nämlich: Was heißt „Japanisch nähen“? Weshalb tragen die Schnitte, die hier besprochen werden sollen, stets dieses Länderlabel, das ihnen eine gewisse Exotik einhaucht? Eine Exotik, die es ihnen doch gar nicht einhauchen soll, schließlich geht es eben darum, die daraus entstehenden Kleidungsstücke als alltägliche Stücke zu tragen – in meiner persönlichen Herangehensweise selbstverständlich, darin aber ganz grundlegend. Dass die Schnitte und Kleidungsstücke auf welche Weise auch immer „besonders“ sind, dass sie von „üblichen“ mitteleuropäischen Silhouetten abweichen – dies ist nur schwer zu thematisieren, wenn man nicht in eben jene oberflächlichen Klischees fallen möchte: Wie international ist Mode, wieviel Lokalkolorit trägt sie? Was verstört wen und wo, was gilt als glatt und unauffällig? Schließlich: Was beabsichtigt jeder einzelne, indem er bestimmte Kleidungsstücke trägt, und bestimmte Kleidungsstücke eben nicht trägt?

All diese Fragen möchte ich beiseite lassen, schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil ich ihnen keine herausragende Rolle zuschreibe – ebensowenig, wie ich dem Label „japanisch“ eine herausragende Rolle zuschreiben möchte, und dies noch weniger eben nachdem ich meine Näh-Bücher-Bibliothek mit distanziertem Blick betrachtet habe. Denn es handelt sich zwar bei den Autorinnen und Büchern, die ich Euch vorstellen möchte, um Schnittmusterdesignerinnen, die ihre Nationalität verbindet; die aber ihr individueller Stil, ihre individuelle Herangehensweise und Konzeptionsweise von Mode, von Tragbarem und Kombinierbarem, wiederum zum Teil weit auseinander treten lässt. Nicht so sehr „japanisch Nähen“ also, sondern viel mehr „Yoshiko Tsukiori nähen“, „Natsuno Hiraiwa nähen“ usw.

So tragen zwar die beiden nun auf Deutsch vorliegenden Bände von Yoshiko Tsukiori den Titelzusatz „Japanisches Modedesign zum Selbernähen“, doch möchte ich dem im Folgenden und aus den genannten Gründen keine weitere Bedeutung beimessen. „Modedesign zum Selbernähen“, dies sehr wohl: Und wie nun wäre das Modedesign zu beschreiben, zu dem die beiden Bücher Kleider, Tops und Hosen und Kleider und Tops zum Kombinieren (beide erschienen im Stiebner Verlag) einladen?



Ihr findet in den Büchern eine Vielzahl an unterschiedlichen Modellen: vorwiegend Kleider und Tuniken, auch einige Blusen- und Hosenschnitte, sowie ungefütterte Mäntel oder ‚Mantelkleider‘.



Der Stil ist schlicht und geradlinig – er hat etwas durchaus Verspieltes, mit wenigen, wohl dosiert angebrachten Rüschen; er hat stets etwas Zurückhaltendes, gelegentlich Jugendlich-Sportliches, immer Stilvolles, beinahe Klassisches.





Tsukiori arbeitet mit exakt gelegten Falten, Kräuselungen und Smokpartien. Die Stücke sind großzügig und luftig geschnitten – das oftgenannte Vorurteil des „Sackigen“ japanischer Schnitte mag hier auf den ersten Blick durchaus zutreffen: Die meisten Schnitte kommen ohne Verschluss aus, es sind in der Mehrzahl reine Schlupfteile aus Webware.



An dieser Stelle wäre wohl auch die zugrundeliegende Maßtabelle zu thematisieren – und zugleich die Frage, wie die Schnitte auf „europäische“ Silhouetten angeglichen werden können. Zwar scheinen sie in ihrer Großzügigkeit, mit ihren weiten Ärmeln und überschnittenen Schultern der aktuellen Mode entgegen zu kommen; wer aber figurbetontere Formen vorzieht, der kann z.B. mit Taillenbändern experimentieren, die in der Seitennaht mitgefasst werden können. Ich wäre sehr gespannt auf Eure Lösungen, und insbesondere auf Eure Erfahrungen bei der Längenanpassung!

Entworfen sind die Schnitte für eine Körpergröße von 1,60m; in der Weite rangieren sie – notdürftig und intuitiv übertragen auf ein deutsches Größensystem – in etwa zwischen Gr. 32 und 40. Mir selbst kommt das sehr entgegen, und dies ist sicherlich einer der Gründe für meine Vorliebe für diese Schnitte: Ich komme in der Regel ohne Änderungen zurecht. Nichtsdestotrotz möchte ich auch größere Näherinnen ermutigen, sich die Schnitte anzusehen; wenigstens meinem Eindruck nach wären Längenänderungen nicht allzu schwer vorzunehmen, weil die Schnitte sehr klar und schematisch sind.

Eines meiner Lieblingsstücke – enthalten in dem Band Kleider und Tops zum Kombinieren – ist das „Kleid mit Dreiviertelärmeln und tiefer Taille“, eines jener luftigen Stücke, das zugleich das Vorurteil der „Sackigkeit“ Lügen straft: Taille, ja – als Taillenband, in das Ober- und Rockteil gekräuselt werden, und das leicht hüftig sitzt.

http://stoffbuero.wordpress.com/2013/08/15/liegengeblieben/

(Mehr Fotos und Details >> hier im :: stoffbüro ::-Blog.)

Ihr seht das Kleid hier exakt nach Schnitt genäht – die Proportionen stimmen.Und auch das „Mantelkleid mit tiefer Taille“ aus demselben Buch habe ich ohne Änderungen genäht; hier mag sich manch einer eine stärkere Taillierung wünschen – mir reicht die Kombination mit einer schmalen Hose und Bluse, um das Gesamtbild nicht unförmig wirken zu lassen.

http://stoffbuero.wordpress.com/2012/09/26/einmal-schick-bitte-die-grose-dame/

Die Frage des „Styling“ dieser Klamotten, die Frage nach passenden Kombinationen wird sicherlich viel hergeben – und ich freue mich darauf, zu sehen, wie Ihr die Stücke tragen werdet.

Während der blaue Band Kleider und Tops zum Kombinieren die einzelnen, je für sich sehr reizvollen Modelle – Blusen, Tuniken, Kleider und den gezeigten Mantel – eher unverbunden nebeneinander stellt, reiht das Buch mit dem roten Cover – Kleider, Tops und Hosen – die Schnitte in sechs Kategorien ein, die schon für sich selbst sprechen: „angeschnittene Ärmel“, „ohne Abnäher“, „gerader Schnitt“, „Hosen“, „Raglanärmel“, „mit Abnähern“. In jeder dieser Sparten finden sich mehrere Schnitte untereinander wiederum recht unterschiedlicher Modelle. Die Kapitelüberschriften folgen im Prinzip jenem Stichwort der Form, der Figurnähe bzw. –ferne, das den japanischen Schnitten viel begegnet. Wieder sind es vor allen Dingen Tuniken und Kleider, einige kürzere Blusen und drei Hosen- bzw. Overallmodelle; wieder arbeitet Tsukiori mit strukturierten Uni-Stoffen,leichten Blumendrucken und großen Karos.

Im Blog habe ich gestern bereits ein Modell gezeigt: Eine Tunika mit Raglan-Ärmeln, die an der vorderen Ärmelnaht gerafft werden.

http://stoffbuero.wordpress.com/2014/05/05/herzliche-einladung-zum-japan-sew-along/


In beiden Büchern sind die Anleitungen in jedem Arbeitsschritt vom Zuschnitt bis zu den Knopflöchern ausführlich bebildert, die Skizzen zeigen exakt die einzuhaltenden Maße von Säumen, Falten und Kräuselungen. Dennoch würde ich die Modelle als durchaus anspruchsvoll, und nicht sämtlich als anfängertauglich einstufen. So einfach die Schnitte wirken und so einfach sich die Modelle tragen – der Teufel steckt häufig im Detail: in filigranen Schlaufen und exakt aufeinander zu steppenden Kanten, die handwerklich herausfordern und exaktes Bügeln, Heften und Nähen einfordern.






Es lohnt sich, die Schnitte je einzeln auszumessen – meiner Erfahrung nach kann bei den gekräuselten, luftigen Modellen durchaus die kleinere Größe gewählt werden, bei den ‚glatten‘ Modellen habe ich bislang eher die größere Nummer gewählt und bin damit gut gefahren. Das wiederum bedeutet gleichzeitig, dass man keineswegs so zierlich sein muss wie die Models in den Büchern - ich würde vermuten, dass die größte verfügbare Größe durchaus mehr "Platz" lässt, als es die Maße in der Maßtabelle scheinen lassen.

Bei Unsicherheiten empfiehlt sich in jedem Fall ein Probemodell, zur Not aus ausgedienter Bettwäsche – das kann auch helfen bei der Auswahl eines geeigneten Stoffes. Auf die Stoffwahl ist sicherlich besondere Aufmerksamkeit zu verwenden – als Freundin von Naturfaser habe ich mich zu Beginn schwer getan, den richtigen Stoff zu finden, weil die amerikanischen Designerstoffe häufig zu grob für die filigranen Modelle sind, und zu schwer, wenn sich durch die Kräuselungen sehr viel Stoff sammelt. Das oben gezeigte „Kleid mit tiefer Taille“ ist aus leichter Popeline genäht, die die Kräuselungen gut verträgt und gleichzeitig genug Festigkeit hergibt an Ärmelsäumen und Halsausschnitt.

  
Leinenstoffe oder Baumwoll-Leinen-Mischungen werden häufig empfohlen, oder auch Batist- und Voilestoffe.


Eine längere Suche nach dem richtigen Material macht sich sicherlich bezahlt, auch wenn beim Austesten evtl. die ein oder andere negative Erfahrung anfallen muss. Bestimmt gelingt es uns im Sew-Along, uns gemeinsam an diese Frage heranzutasten und gegenseitig aus unseren Erfahrungen zu lernen.

Nun danke ich nicht nur dem Stiebner Verlag für die freundliche Bereitstellung der Rezensionsexemplare – sondern auch Euch für die Ausdauer beim Lesen. Es wäre mir eine große Freude, wenn Ihr nun neugierig wärt auf diese Bücher – und nicht zuletzt auf den Sew-Along. Morgen und übermorgen geht es weiter mit weiteren Buchvorstellungen, und am kommenden Montag möchte ich fragen: Macht Ihr mit? Schließt Ihr Euch an? Und welche Bücher haben Euer Interesse gefunden?

Catrin | :: stoffbüro ::

Kommentare:

  1. Der Sew Along ist eine wunderbare Idee! Ob ich an allen Terminen dabei bin und wirklich nach Zeitplan etwas nähe, werde ich noch entscheiden. Meine Erfahrungen mit englischen, französischen und japanischen Ausgaben der Bücher teile ich aber sehr gern. Ich hatte sowieso eine kleine Japan-Reihe im Blog geplant, da ich einige fertige und noch nicht gezeigte Stücke hierliegen habe. Die in den deutschen Büchern versammelten Modelle scheinen ja so eine Art BestOff zu sein? Zumindest meine ich auf dem Cover Kleider aus anderen Ausgaben zu erkennen. Jetzt freue ich mich auf die nächsten Buchvorstellungen und dann natürlich auf jede Menge Inspiration.
    Herzliche Grüße,
    Malou

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  2. Guten Morgen,

    Danke.
    Die Tunika mit Raglan-Ärmeln wäre ja schon etwas für mich, allerdings schüchtert mich die Raffung am Ärmel ein :-) Vielleicht bin ich mutig und versuche es mal.

    Liebe Grüße
    Charlotte

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  3. Anonym6.5.14

    Dieses Thema ist so toll und ich bin so begeistern von diesem Sew-Along, unfassbar! :)

    Ich habe mir auch vor einiger Zeit zwei Bücher über Etsy bestellt, allerding tatsächlich auf japanisch. Ein paar Sachen sind auch schon genäht, aber mit der Paaform haperts noch etwas (erstes Teil viel zu klein, zweites Teil viel zu groß...) Trotzdem sind die Sachen einfach schön!

    Eine Frage zu den vorgestellten Büchern habe ich noch:
    Sind das völlig neu zusammen gestellte Schnitte, also Schnitte aus verschiedenen schon auf japanisch/englisch/französisch erschienenen Büchern, oder sind es "nur" Übersetzungen in neuem Design von bereits anders sprachig erschienenen Büchern?

    Ich werde das hier jedenfalls sehr aufmerksam weiter verfolgen. :)
    Danke und Grüße, Mia

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    1. Liebe Mia,

      bei den Büchern von Tsukiori beispielsweise handelt es sich tatsächlich um Zusammenstellungen einer Auswahl aus verschiedenen Büchern, die bereits auf Französisch vorliegen - zu den "Shape, Shape"-Büchern kann ich dahingehend nichts sagen, weil ich nur die deutschen Ausgaben kenne.

      Die beiden Bände, die morgen präsentiert werden, lagen vorher schon auf Englisch vor.

      Ich freue mich jedenfalls, dass Dich das Thema so begeistert, und dass Du Lust hast, dran zu bleiben!

      Liebe Grüße
      Catrin

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  4. Danke für den ausgiebigen Bericht. Ich befürchte... ich werde am Ende der Woche alle Bücher haben wollen :D. Eine Frage beschäftigt mich: rein von der Form tendiere ich bei vielen Modellen zur kleineren Größe. Einzige Befürchtung: fallen die Armlöcher dann womöglich zu eng aus? Optisch wirken sie luftig, oder sieht das bei vielen Modellen nur so aus?
    Vielen Dank, Petra

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    1. Liebe Petra,

      ich kann nur meine bisherigen Erfahrungen teilen, und sagen, dass die kleinere Größe durchweg ausreichend war, auch von den Armlöchern her. Bei den nicht gekräuselten Modellen habe ich wiederum eher die größere Größe genäht, damit es an den Schultern nicht zu eng ausfällt.

      Wenn Du aber sehr unsicher bist, führt wohl an einem Probeteil nichts vorbei - und sei es nur eine Kurzversion, um die fraglichen Stellen zu testen.

      Liebe Grüße
      Catrin

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  5. Sehr interessante Bücher! Es lugen doch schon sehr schöne Schnitte daraus hervor und ein leichtes Habenwollen-Gefühl entsteht bei mir ;-) Aber ich warte noch die nächsten Vorstellungen ab.

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  6. Danke liebe Catrin für die ersten beiden Vorstellungen.
    Und schon jetzt kann ich mich nicht entscheiden welches Buch ich reizvoller finde... Na dann bin ich auf die anderen gespannt!
    LG, Anne

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  7. Sehr anregend, Deine Gedanken, liebe Catrin!
    Ich kenne ja bis jetzt nur die beiden Bücher, die Du heute vorstellst, aber bestimmt hast Du Recht, dass man richtig nicht von "japanisch Nähen" im Allgemeinen, sondern eher vom Nähen im Stil einer bestimmten - japanischen - Designerin sprechen sollte. Trotzdem gibt es eben gewisse stilistische Gemeinsamkeiten, die ich ganz grob mal zusammenfasse, indem ich behaupte, dass es eben was anderes ist als der bei uns (überall?) so häufig gesehene "Jeans-und-T-Shirt-Look" (gegen den ich übrigens überhaupt nichts habe!). Allein dass die meisten Schnitte für Webware gedacht sind, macht sie doch irgendwie schon "anders" bzw. nicht ganz so alltäglich... Was daran jetzt "japanisch" ist, kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen, ich glaube aber, es ist ein Stil, der nicht nur unbedingt geographisch einzuordnen ist. Einige Modelle aus den japanischen Nähbüchern erinnern mich z.B. auch an die Modelle von Gudrun Sjöden, und die wäre dann ja aus Schweden, wenn ich mich nicht täusche....

    Bin jedenfalls gespannt, was hier noch alles kommt! :-)
    LG, Steffi

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    1. Liebe Steffi,

      ich danke Dir dafür, wie Du die Gedanken aufgreifst! Dass die Schnitte in irgendeiner Weise "anders" sind, macht sie ja gerade so reizvoll - aber wie Du ja auch schreibst, ist es schwierig, dies mit einem Länderlabel zu fassen. Das Übergweicht an Webware jedenfalls ist auffällig - und mir dennoch bislang "nicht wirklich" aufgefallen, weil ich einen ausgeprochenen Hang zur Webware habe.

      Liebe Grüße & schön, Dich dabei zu haben!
      Catrin

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    2. Ja, die Modelle und der Lagenlook erinnern tatsächlich an etliche nordische Modelabel; auch die nordische Nähzeitschrift Ottobre könnte man diesem Stil zuordnen. Von daher finde ich es ebenso wie ihr schwierig, einem solch weitgreifenden Stil den Titel "japanisch" zu verpassen. Zumal ich bei der Kombi Tunika-Hose durchaus Anklänge an traditionelle koreanische Kleidung entdecken kann - dabei ist die japanisch-koreanische Geschichte wahrlich nicht unbelastet.

      Mama-macht-Sachen hatte vor ein paar Monaten ein Sew-Along zum Thema "exotische Silhouette"; unter anderem war der koreanische Hanbok für viele als Vorbild gewählt worden. Der koreanische Hanbok besteht aus Unterröcken bzw. weiten Beinkleidern, darüber einen Rock und ein Jäckchen. Von der Silhouette her mehr ver- als enthüllend. Zum einen aus dem gesellschaftlichen Verständnis heraus, zum anderen wohl auch (oder vielmehr hauptsächlich), um wertvollen Stoff nicht zu vergeuden, sprich: möglichst wenig Verschnitt aus einem Stück Tuch.

      Aber auch wenn die Desginerinnen alle Japanerinnen sind - was ich aber gar nicht weiß - geht der Begriff "Japanisch nähen" weit auseinander: Bei Tsukiori sind die Modelle ohne Abnäher (für mich daher nur bedingt geeignet), während Machiko Kayaki (Simple chic) mittels Abnähern durchaus körpernachformende Modelle zeigt. Letzteres vermutlich einer westlichen Annäherung geschuldet?

      Aber unbesehen der exakten Bezeichnung finde ich diesen Lagenlook (wie ihn auch viele nordische Modelabels pflegen) wunderschön. Zum anderen gefällt mir diese raffinierte Schlichtheit (oder schlichte Rafinesse) der Modelle, bei denen deshalb aber ein guter Blick für passende Stoffe unabdingbar ist.

      Darum hatte ich mir vor vier Wochen nach längerem Überlegen einige japanische Nähbücher gekauft. Größenmäßig sind die Schnitte kein Problem, im Gegenteil sehr entgegenkommend. Aber figurtechnisch muss ich wohl einige Änderungen vornehmen. Wobei sich hier auch wieder die Frage stellt, ob das mit europäischen Sehgewohnheiten zusammenhängt oder tatsächlich auf unterschiedliche Figurinen zwischen Asiatinnen und Europäerinnen zurückzuführen ist.

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  8. Danke für die Ausführungen! Ich mag das Sackartige :-)
    Ja, im Ernst, in taillierten Sachen seh ich aus wie ein Nudelholz!
    LG Judy

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  9. Hallo Catrin,
    hui, da bin ich aber kurz vor Freude gehüpft, als ich gelesen habe, dass die Schnittmuster für eine Körpergröße von 1,60 konzipiert sind.
    Das käme mir ja sehr, sehr gelegen :)
    Darf ich dich aber mal ganz indiskret fragen, wie groß du bist?? Ich finde du wirkst auf den Bilder so gar nicht wie um die 1,60.
    Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Bücher, habe auf dem einen jetzt vorgestellten, aber schon einen Schnitt entdeckt, der mich interessiert.
    Ich freu mich,
    viele liebe Grüße
    Kerstin

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  10. wow- was für ein intro!
    unglaublich schöne dinge zeigst du da. ich muss, ich werde mitwirken. geht ja gar nichtanders... :-)
    auch besten dank für die kurze und trotzdem differenziert betrachtete einführung in die begriffe. ganz klar definitionsfrage.
    in freudiger spannung,
    frau gold
    (ich glaube ich muss viel bücher kaufen...- und wer schenkt mir stoff? ;-)

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  11. Ui, die Bücher kenn ich noch gar nicht! In deutsch-das war eine echte Marktlücke! Danke für deine wirklich ausführliche und gute Rezension!

    Ich habe hier nur japanische Originale aus dem Hause Pochee, die ich mir in Korea bestellt habe. Einige Teile sind schon draus entstanden und ich habe bisher nur mit Leinen gearbeitet. Einmal mit Bioleinen von Hilco, das andere Mal mit einem selbst eingefärbten Feinleinen, der allerdings nach dem ersten Waschen dann ziemlich die Farbe verloren hat.

    Die japanischen Bücher sind trotz kryptischer Schrift dank der Zeichnungen gut zu verstehen. Das finde ich total faszinierend, da könnten sich Burda & Co. echt eine Scheibe abschneiden!

    Die Stoffwahl ist wahrlich ein Problem, da man die in den Büchern gezeigten Stoffe hierzulande wirklich suchen muss. Diese Naturstoffe, die es da immer zu gucken gibt, hätte ich ja zu gerne mal in der Hand. Auf dem Stoffmarkt habe ich einige schonmal gestreichelt. Ich finde sie echt sehr besonders, diese original japanischen Webstoffe. Die Preise nur ziemlich "schluck"-zumal die Passform bei meiner Größe, mit breitem Kreuz, ein Experimentierfeld ist. Ich bin ein lausiger Probeteilnäher...soifz.

    Die Passform, das "sackartige" der Schnitte mag ich total, ich kann eher mit dem total figurbetonten, das dann mit Fitness-Studio und Diäten ausgefüllt werden sollte, nix anfangen. Eigentlich bin ich ja schlank und habe nichts sackartig zu umhüllen und an den Models in den Büchern versteckt die Kleidung auch nicht die Figur, finde ich.

    Auf jeden Fall krame ich gleich mal in meinen Schnittbüchern.

    Liebe Grüße von Nicole

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  12. Noch was zum blauen Band: Wenn man die lose aneinandergereihten Schnitte genauer betrachtet, stellt man fest, dass es bei einigen Gemeinsamkeiten wie z.B. Raglanärmel oder Schulterpassen in unterschiedlicher Ausführung, gleichzeitig gibt's hier Unterschiede wie ärmellos, Kurzarm, etc. Macht man sich dann die Mühe nach den Schnittmustern zu suchen, kommt man zur gleichen Fülle an unterschiedlichen Kombinierbarkeiten wie im roten Band.

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